Pustekuchen!

„The Pneumatic Timer“, T. Mayhew & Co., New York City um 1875, Inv. 2016-047

Stolz ließ sich Theophilus Mayhew 1875 eine „nützliche Verbesserung im Bereich der Zeiterfassungsinstrumente“ patentieren. Seine Erfindung war eine Stoppuhr, die man ohne Hände bedienen konnte. Besonders praktisch sei das für Reiter oder Ruderer – eben Sportler, die ihre Hände benötigen, erklärte Mayhew. Doch wie funktionierte das?

Man sollte die Stoppuhr am Körper, also beispielsweise in einer Jackentasche, tragen. Der „Pneumatic Timer“ ließ sich dann starten und stoppen, indem man eine kleine Ballpumpe drückte oder in den angeschlossenen Schlauch pustete. Um die Ballpumpe zu drücken, konnte man zum Beispiel einen Fuß benutzen. Oder man klemmte sie sich unter einen Arm und drückte diesen beim Starten gegen die Pumpe.

Der entstehende Luftdruck wurde über eine Membran auf den Schaltmechanismus übertragen. So hatte er die gleiche Wirkung wie das Drücken eines Start- oder Stoppknopfes mit einem Finger. Auf diese Weise konnte der „Pneumatic Timer“ mit Sekunden- und Minutenanzeige eine Zeitspanne von bis zu acht Minuten messen.

Theophilus Mayhew entsprach mit seiner Erfindung des „Pneumatic Timer“ dem Zeitgeist der 1870er Jahre. Denn die Pneumatik entwickelte sich rasant weiter und als Schaltmechanismus bedienten sich die Zeitgenossen lieber des Luft- oder Wasserdrucks, als der noch unzuverlässigen Elektrizität. Ähnlich wie der  „Pneumatic Timer“ funktionierten dann zum Beispiel pneumatische Fernauslöser für Kameras.

Ein pneumatischer Fernauslöser für Kameras.

Früher hatten solche Auslöser einen ganz bestimmten Vorteil: Um zu fotografieren waren Belichtungszeiten von mehreren Sekunden notwendig. Die Gefahr, dass dabei ein „verwackeltes“ Bild entstehen könnte, war groß – vor allem, wenn man beim Öffnen und Schließen der Blende die Kamera berühren musste. Also benutzte man zum Auslösen der Kamera beispielsweise einen pneumatischen Mechanismus. Im Unterschied zu unserer Stoppuhr war das Prinzip etwas anders: Beim Drücken der Ballpumpe wurde die Blende geöffnet, beim Loslassen wurde sie wieder geschlossen. Somit konnte man die Fotoplatten belichten, ohne an der Kamera zu wackeln.

Während sich die „pneumatischen Schalter“ in der Welt der Fotografie für lange Zeit etablieren konnten, gelang das dem „Pneumatic Timer“ nicht. Denn so selbstbewusst Mayhew die wundersame Erfindung auch ankündigte, sie konnte die potentiellen Kunden einfach nicht für sich begeistern.

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